Gemischter Saarbrücker Herrenchor

Der Gemischte Saarbrücker Herrenchor: Lobet die Nacht

Zu radikal? Zu unbequem? Zu wenig avantgardistisch?

Der Gemischte Saarbrücker Herrenchor begibt sich auf Entdeckungsreise in Sachen Hanns Eisler sowie seiner Kollegen und Mentoren. Die Spurensuche startet quasi Seit' an Seit' mit den Heimkehrern des ersten Weltkriegs. Sie führt uns auf die Straße, aber auch auf das Tanzparkett der bewegten Zwanziger und wird schließlich abgebrochen in der Konfrontation mit dem NS-Regime, seiner Gewalt und seinem Grauen. Doch wie zwei Seiten einer Münze sind in Eisler der Komponist und der Mensch verbunden, der die Musik in den Dienst seiner politischen und gesellschaftlichen Ideale stellt. Die Auseinandersetzung mit der Musik Eislers wirft zwingend auch Fragen auf: Wie ist sein Einsatz für eine verbesserte Welt zu bewerten? Welche Bedeutung können Eislers Kompositionen heute noch für uns haben? Last but not least: Wie gesellschaftskritisch und unbequem sollen heute unsere Töne klingen?

Bei diesem musikalischen Rückblick in die Zeit der Weimarer Republik stellt sich uns die Frage nach der Situation der Homosexuellen. Wie waren die Lebenswelten der Schwulen und Lesben, als Eisler seinen Protagonisten, den klassenbewussten Arbeitern, seine mitreißenden Songs und Lieder auf den Leib schrieb? Das schwule Leben war zu jener Zeit geprägt von scheinbar selbstverständlicher Heimlichkeit und wirkt vorerst weit entfernt von jenen ArbeiterInnen, die lautstark für ihre Rechte kämpften. Der Geist der Zeit war jedoch ein gemeinsamer: Vielleicht angesteckt von der großen Aufbruchsstimmung der "Goldenen Zwanziger" keimte in Berlin noch zögerlich aber unüberhörbar der emanzipatorische Geist der Schwulenbewegung. Die Brücke zwischen diesen Lebenswelten schlägt das gemeinsame Gefühl eines Lebens im Jetzt und vereint in diesem existentialistischen "Jetzt gilt`s" singen sie (und wir) "Lobet die Nacht!".
Gemischter Saarbrücker Herrenchor